{"id":868,"date":"2025-07-23T14:59:35","date_gmt":"2025-07-23T12:59:35","guid":{"rendered":"https:\/\/g-lorenzen.de\/?p=868"},"modified":"2025-07-23T14:59:41","modified_gmt":"2025-07-23T12:59:41","slug":"generative-ki-fuer-die-jahresabschlusspruefung-ein-blick-auf-copilot-und-agenten-workflows","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.g-lorenzen.de\/index.php\/2025\/07\/23\/generative-ki-fuer-die-jahresabschlusspruefung-ein-blick-auf-copilot-und-agenten-workflows\/","title":{"rendered":"Generative KI f\u00fcr die Jahresabschlusspr\u00fcfung: Ein Blick auf Copilot und Agenten-Workflows"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n<p>Die <strong>K\u00fcnstliche Intelligenz (KI)<\/strong> ver\u00e4ndert die Unternehmenslandschaft in rasantem Tempo. Insbesondere <strong>generative KI<\/strong> etabliert sich zunehmend als Schl\u00fcsseltechnologie und <strong>treibende Kraft f\u00fcr Wettbewerbsvorteile<\/strong> in verschiedenen Arbeitsbereichen. Auch in der <strong>Wirtschaftspr\u00fcfung<\/strong> hat generative KI das Potenzial, die Qualit\u00e4t von Finanzabschlusspr\u00fcfungen erheblich zu verbessern. Doch wie genau kann diese vielseitige General-Purpose-Technologie, die Texte, Bilder, Videos und Quellcodes verarbeiten und generieren kann, in der Praxis eingesetzt werden? Dieser Beitrag beleuchtet zwei zentrale Ans\u00e4tze: den <strong>KI-basierten Copiloten<\/strong> und <strong>agentenbasierte Workflows<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Grundlagen der Generativen KI<\/h3>\n\n\n\n<p>Moderne KI-Systeme, insbesondere generative KI, basieren \u00fcberwiegend auf <strong>Deep-Learning-Methoden<\/strong>. Ein Fundament f\u00fcr generative KI bilden dabei sogenannte <strong>Foundation Models<\/strong>. Diese Modelle sind in der Lage, eine Vielzahl komplexer Aufgaben \u00fcber verschiedene Disziplinen hinweg mit oft minimalem Trainingsaufwand zu bew\u00e4ltigen. Ein bekanntes Beispiel hierf\u00fcr sind <strong>gro\u00dfe Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs)<\/strong> wie GPT-4.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Funktionalit\u00e4t dieser Foundation Models wird in zwei zentralen Phasen erreicht:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Pre-Training:<\/strong> Hier wird die Modellarchitektur festgelegt und das Modell mit gro\u00dfen Datenmengen aus verschiedenen Disziplinen trainiert. Das ehemalige GPT-3-Modell verf\u00fcgte beispielsweise \u00fcber 175 Milliarden Parameter und wurde mit 45.000 GB aufbereiteter Textdaten trainiert.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fine-Tuning:<\/strong> In dieser Phase wird das Wissen eines gro\u00dfen Sprachmodells gezielt auf eine spezifische Aufgabe abgestimmt, indem die Parameter und Gewichtungen der Modellarchitektur angepasst werden. Dies erm\u00f6glicht den effizienten Transfer des im Pre-Training erworbenen Wissens auf nachgelagerte Aufgaben, wie die Analyse von Finanzdaten oder die Bewertung von Nachhaltigkeitsberichten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Copilot vs. Agent: Zwei Ans\u00e4tze f\u00fcr die Pr\u00fcfungspraxis<\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Anpassung und den Einsatz generativer KI im unternehmerischen Kontext haben sich zwei zentrale Ans\u00e4tze etabliert, die unterschiedliche Komplexit\u00e4tsanforderungen bedienen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Der KI-basierte Copilot:<\/strong>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Konzept:<\/strong> Dieses Konzept wurde initial von Gu et al. eingef\u00fchrt und dient prim\u00e4r der <strong>Unterst\u00fctzung des Abschlusspr\u00fcfers durch aktive Mensch-KI-Interaktion<\/strong>. Die Kommunikation mit dem LLM erfolgt \u00fcber <strong>dialogbasierte Benutzerschnittstellen, sogenannte Chatbots<\/strong>, mittels <strong>Prompts<\/strong>.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Anwendung:<\/strong> Der Abschlusspr\u00fcfer adaptiert die Output-Qualit\u00e4t des vortrainierten Modells durch seine dom\u00e4nenspezifische Fachexpertise in den Prompts. Techniken wie <strong>Prompt Engineering<\/strong>, darunter \u201eTree-of-Thought Prompting\u201c oder \u201eChain-of-Thought Prompting\u201c, helfen, komplexe Aufgaben in kleinere Schritte zu zerlegen und zielf\u00fchrende Ergebnisse zu erzielen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Charakteristik:<\/strong> Der Copilot verfolgt einen <strong>progressiven Human-in-the-Loop-Ansatz<\/strong>. Er erweitert die Automatisierung auf komplexere Aufgaben, die jedoch stets unter <strong>kontextbezogener menschlicher Aufsicht<\/strong> stehen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Der agentenbasierte Workflow:<\/strong>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Konzept:<\/strong> Dieser Ansatz ist technisch komplexer in der Umsetzung. Ein Agent ist eine Entit\u00e4t, die Informationen aus ihrer Umgebung erfasst und darauf reagiert, wobei ihr Verhalten durch eine mathematische Funktion, heute oft durch <strong>tiefe neuronale Netzwerke<\/strong>, bestimmt wird.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Vorteile:<\/strong> Die Integration gro\u00dfer Sprachmodelle in Agenten bietet signifikante Vorteile gegen\u00fcber der isolierten Nutzung einzelner generativer KI-Modelle. Agenten k\u00f6nnen <strong>autonom agieren, komplexe Aufgaben planen und ausf\u00fchren<\/strong> sowie <strong>kontinuierlich lernen und sich anpassen<\/strong>. Im Gegensatz zu statischen LLMs k\u00f6nnen sich diese Agenten in Echtzeit anpassen und ihre Strategien verfeinern.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Charakteristik:<\/strong> Agentenbasierte Workflows erm\u00f6glichen eine <strong>vollst\u00e4ndig autonome Koordination<\/strong> und adressieren eine iterative und autonome Automatisierung vielf\u00e4ltiger und komplexer Aktivit\u00e4ten durch fortschrittliche Werkzeuge und dynamische Verfeinerungstechniken.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Anwendungsf\u00e4lle im pr\u00fcferischen Kontext<\/h3>\n\n\n\n<p>Beide Ans\u00e4tze wurden bereits in der wissenschaftlichen Fachliteratur eindrucksvoll demonstriert und sind von hoher praktischer Relevanz f\u00fcr den Berufsstand der Wirtschaftspr\u00fcfer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anwendungen des KI-Copiloten in der Jahresabschlusspr\u00fcfung und IT-Pr\u00fcfung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Analytische Pr\u00fcfungshandlungen:<\/strong> Ein Copilot kann Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung analysieren, erste Finanzkennzahlen errechnen und deren Ver\u00e4nderungen zwischen Gesch\u00e4ftsjahren interpretieren. Dies erm\u00f6glicht dem Pr\u00fcfer, sich auf wesentliche \u00c4nderungen mit erh\u00f6htem Risiko zu konzentrieren und automatische Interpretationen zu erhalten.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Einzelfallbezogene Pr\u00fcfungshandlungen:<\/strong> Mittels umfangreichen Prompt Engineerings kann ein Copilot die Ordnungsm\u00e4\u00dfigkeit von R\u00fcckstellungen nach HGB beurteilen, Sachverhalte zu Prozesskostenr\u00fcckstellungen, drohenden Verlusten und ungewissen Verbindlichkeiten bewerten und entsprechende Outputs oder Empfehlungen f\u00fcr eine manuelle Durchsicht ausgeben.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Spezialisierte Expertenbots:<\/strong> Diese Bots k\u00f6nnen durch die Methode der <strong>Retrieval-Augmented Generation (RAG)<\/strong> auf gepr\u00fcfte Datenbanken (z.B. Gesetzestexte) zugreifen und relevante Daten extrahieren, um koh\u00e4rente und informative Antworten zu formulieren. Sie liefern zuverl\u00e4ssige Ergebnisse und k\u00f6nnen Quellen angeben.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>IT-Pr\u00fcfungen:<\/strong> Ein zielgerichteter KI-Copilot kann basierend auf \u00fcbertragenen Feststellungen erste Indikationen zur Reaktion darauf geben und seine Aussagen mit Referenzen aus dem Internet untermauern.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Anwendungen von Agenten in der Jahresabschlusspr\u00fcfung:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Detektion doloser Handlungen (nach ISA 240):<\/strong> Ein agentenbasierter Workflow kann hierf\u00fcr verschiedene autonome Agenten einsetzen, die jeweils spezifischen Aufgaben nachgehen. Beispiele sind:\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ein Agent zur Analyse interner Vorschriften, der Policies zusammenfasst.<\/li>\n\n\n\n<li>Ein Agent zur Datenbankabfrage, der basierend auf den Vorgaben des ersten Agenten Datenextraktionen vornimmt.<\/li>\n\n\n\n<li>Ein Agent zur Interpretation der Daten, der die extrahierten Datens\u00e4tze sachlogisch interpretiert und Pr\u00fcfungsergebnisse liefert.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Zuk\u00fcnftiger \u201eGeneral AI Auditor\u201c:<\/strong> Dieser zukunftsorientierte, agentenbasierte Ansatz k\u00f6nnte das Konzept eines &#8222;General AI Auditors&#8220; umsetzen. Dieser w\u00fcrde multimodale Foundation Models nutzen, um verschiedene Datenformate zu erfassen und spezifische Pr\u00fcfungshandlungen zu managen. Er w\u00fcrde als zentraler Orchestrator fungieren und entscheiden, ob er Aufgaben selbst erledigt oder spezialisierte L\u00f6sungen in Form von Agenten oder weiteren KI-basierten Copiloten nutzt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Herausforderungen und Ausblick<\/h3>\n\n\n\n<p>Trotz der vielversprechenden Potenziale stehen Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaften noch vor Herausforderungen f\u00fcr den fl\u00e4chendeckenden Einsatz generativer KI. Eine wesentliche H\u00fcrde ist der <strong>Schutz mandatsspezifischer Daten<\/strong>, der als h\u00f6chstes Gut und Grundlage des Vertrauens gilt. Daher d\u00fcrfen Wirtschaftspr\u00fcfer nur generative KI-Modelle verwenden, die <strong>Rechtssicherheit in Bezug auf die DSGVO und die berufsrechtliche Verschwiegenheitspflicht<\/strong> gew\u00e4hrleisten. Dies sind oft lokal ausf\u00fchrbare Modelle mit zug\u00e4nglichem Quellcode oder tenant-spezifische Cloud-Umgebungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Herausforderung ist die <strong>mangelnde Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen<\/strong> aufgrund komplexer Modellarchitekturen, was die Fehlererkennung erschwert und die Verantwortlichkeiten f\u00fcr den Output einer generativen KI in Frage stellt. Daher bleibt der <strong>Grundsatz der Eigenverantwortlichkeit des Wirtschaftspr\u00fcfers<\/strong> unerl\u00e4sslich.<\/p>\n\n\n\n<p>Die hohe Qualit\u00e4t der generierten Inhalte bietet eine solide Grundlage f\u00fcr fundierte Interpretationen durch den menschlichen Abschlusspr\u00fcfer. Durch gezielte Feinabstimmung und kontinuierliche Optimierung k\u00f6nnen potenzielle Ungenauigkeiten und Fehler weitgehend eliminiert werden, was Zuverl\u00e4ssigkeit und Genauigkeit signifikant steigert. Dennoch bleibt das <strong>Fachwissen und die Erfahrung eines Wirtschaftspr\u00fcfers auch in Zukunft unerl\u00e4sslich<\/strong>, insbesondere beim Review und der kritischen W\u00fcrdigung des Outputs.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich festhalten, dass generative KI bereits heute bedeutende Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Wirtschaftspr\u00fcfer erm\u00f6glichen kann und durch den agentenbasierten Workflow v\u00f6llig neue Dimensionen der Bearbeitung von Aufgaben realisiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die K\u00fcnstliche Intelligenz (KI) ver\u00e4ndert die Unternehmenslandschaft in rasantem Tempo. Insbesondere generative KI etabliert sich&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":870,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,4],"tags":[],"class_list":["post-868","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-it","category-it-audit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.g-lorenzen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/868","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.g-lorenzen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.g-lorenzen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.g-lorenzen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.g-lorenzen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=868"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.g-lorenzen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/868\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":871,"href":"https:\/\/www.g-lorenzen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/868\/revisions\/871"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.g-lorenzen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/870"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.g-lorenzen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=868"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.g-lorenzen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=868"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.g-lorenzen.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=868"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}